Berichte von 04/2016

Tag 11 - Tallinn

Samstag, 30.04.2016

Wieder bin ich bei wunderbarem Wetter aus dem überaus beeindruckenden Riga weggefahren, und Schtani hatte zu tun, mich aus dieser Stadt hinauszulotsen.

Doch nach einigen Kilometern  begann eine sehr schöne, gemütliche, entspannte Fahrt an der Küste entlang hinauf nach Tallinn . Blick auf das Meer .

 Endlose Kiefern- und Birkenwälder, am Strassenrand ganze Teppiche des lila Veilchens, nur noch wenige Störche, dafür Kraniche und Möven.

Und auch die ersten Hinweisschilder " Vorsicht  Elche", gesehen habe ich aber keinen!

Auf dieser Reise habe ich während des Fahrens  viel Zeit zum Nachdenken oder auch vor mich hin Träumen.  Da geht mir allerhand durch den Kopf . 

Heute ist ein ganz besonderer Tag! Vor 30 Jahren  hörten wir alle die schlimmen Nachrichten des Reaktorunfalls in Tschernobyl . Und ich hatte in den Morgenstunden mein erstes Kind auf die Welt gebracht! Nicht gerade das, was man sich für den Start eines neuen Lebens vorstellt. Voller Spannung und auch Angst verfolgte ich die Nachrichten der nächsten Tage und Wochen .

Doch heute feiert mein Sohn mit Freundin, Schwestern und Freunden seinen 30. Geburtstag. Und ich gratuliere herzlichst aus Tallinn ! Und bin dankbar!

Jetzt aber wieder nach Tallinn : ebenfalls eine herrliche Stadt mit wunderbarer Architektur. Die Häuser sind etwas schlichter als in Riga , dafür gibt es sehr viele schöne Kirchen, eine Festungsanlage, viele Gassen, kleine schöne Läden etc.

Auch die Altstadt von Tallinn gehört zum UNESCO Weltkulturerbe! 

Aber nun seht selber:

                                                                                                                 Das Rathaus

Der Raekoja Platz                                               Dom Kirche             Heiliggeistkirche 

                                                                               zu St. Marien

   Parlamentsgebäude                                         Alexander-Nevsky-Kathedrale

Die Post                                                                Nikolaikirche                                                   

   Regierungssitz "Stenbock Haus"                   Blick vom Toompea - Hügel auf die Altstadt

Auch noch viel zu tun, und wenn es so marode ist, dass es abgerissen werden muss, entsteht so was!

Das Hansehaus

 

 

Tag 10 - Riga

Freitag, 29.04.2016

Ja , also auch heute mit Sonne aufgewacht, da schmeckt der Kaffee und das Frühstück halt grad nochmal so gut!

Meine Ente auf dem Hotelparkplatz   

Auf einer Sightseeing Tour habe ich mir in zwei Stunden die wichtigsten Informationen geben lassen. Aber es ist zuviel, das kann kein Mensch behalten. Und ständig möchte man fotografieren. Das ist wirklich das Vorherrschende und Beeindruckende hier: diese vielen Jugendstilhäuser mit ihren wunderschönen Fassaden! Eine Fassade schöner als die andere. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

 

Die französische Botschaft 

Rechts das "Hansehaus", Riga zählte zu den Hansestädten 

Links das Rathaus,  rechts die Petruskirche

Die orthodoxe Kathedrale,  rechts die neue Bibliothek

Auch Holzhäuser gibt es mitten in der Stadt , diese wurden für die Arbeiter gebaut. Etliche sind schon 300 - 400 Jahre alt.

Und danach noch vier Stunden zu Fuß durch die Strassen, jetzt bin ich platt! Dabei stieß ich noch auf ein Restaurant im Gewölbekeller aus dem Jahr 1293! Die Bedienungen sind historisch gekleidet, alles unglaublich stimmig, null kitschig, nur Kerzenlicht, sämtliches Geschirr aus Ton und Holz . Und die passende Musik, Leier und Gesang. 

Ausserdem gibt es sehr viele schöne Geschäfte, wo man hier erzeugte Dinge kaufen kann, Handarbeiten, Leinen wird hier gewoben und zu wunderbarer Kleidung oder auch Dekoration verarbeitet, Bernstein natürlich, und auch Wollenes.

Da gibt es noch so viel zu tun, bis alle heruntergekommenen Häuser wieder in neuem Glanz erstrahlen, wie das Linke der beiden. Die ganze Altstadt gehört zum UNESCO  Weltkulturerbe .

Heute Abend noch schön essen gehen und ein, zwei Viertele Roten geniessen, und dann geht es morgen weiter Richtung Tallinn.

Ich freue mich wirklich sehr, dass ich diese Reise machen kann!!!

Und jetzt, 19.45 Uhr  möchte ich noch schnell einen kleinen Zusatz schreiben: beim Abendessen traf ich auf eine Frauengruppe aus Baden/ Schweiz,  die Menzenschwand  und St. Blasien kennt, aber das Winterhalter  Museum nicht. Sie habe ich mit Prospekten versorgt und nach Menzenschwand  eingeladen. "Versprochen ist versprochen" waren ihre Worte, bevor wir uns verabschiedeten. Witzig, gell, so weit weg von daheim begegnet man sich in Riga !

Tag 9 - Aizkraukle und Riga

Donnerstag, 28.04.2016

Dem Herrgott sei's getrommelt und gepfiffen, gesungen und gezwitschert und gedankt!

Was ist passiert? Im Grunde nix, ist halt nochmal gut gegangen. Aber mal von vorn: bei herrlichem Sonnenschein bin ich losgefahren

und bis vor zwei Stunden , als ich glücklich in Riga ankam,  schien die Sonne auch noch. Dann kam Regen und Sturm , aber jetzt ist es wieder trocken.

Also, heute morgen losgefahren!

what the fuck is Aizkraukle? Auf der Karte sah es ganz einfach aus, 90 km Landstraße. Kein Problem. Gleich nach Bauska kam ein Hinweisschild nach rechts.  Schtani riet mir links abzubiegen. Nein, wenn so gut ausgeschildert ist, dann folge ich dem Schild und nicht dem doch auch manchmal nicht so aktuellen Schtani!

Und das wurde mir zum Verhängnis ! Nach kaum 5 km hörte diese Strasse praktisch auf und es begann eine ungeteerte, bollenharte und kaum befahrbare Strasse. Da ich noch davon ausging, dass das ja höchstens ein kurzes Stück sein kann, Strassenarbeiten eben, drehte ich auch nicht um, sondern fuhr weiter. Zwar 10 m breit, aber die brauchte ich auch, um wenigstens um die größten und tiefsten Schlaglöcher herum zu kommen. Mit höchstens 20 km/h ging das dann mind. 20 km so weiter. Da ich ja immer die Hoffnung hatte, dass es bald ein Ende hat, dachte ich mir, umdrehen wird so schlimm sein wie weiterfahren. Aber es nahm und nahm kein Ende . Das war das " hard- core " vor dem mich der Entendoktor in Freiburg gewarnt hatte! Jedes andere Auto hätte einen Achsbruch erlitten. Ich schwörs. Altglashütten ist im Vergleich eine Rennpiste! Die gesamte Strecke ging auch noch durch den Wald, kein Dorf, noch nicht mal ein Haus und kein einziges Fahrzeug kam mir entgegen . Ja, die haben eben alle ihrem Schtani gehorcht .

Das einzige Erfreuliche waren die vielen Störche auf zerfallenen Fabrikgeländen mit Kaminen, jede Möglichkeit wurde zum Brüten genutzt. Ein Foto dieser Strasse hätte meine Ausführungen noch verdeutlicht, aber daran hatte ich keinen Gedanken, ich hab Blut und Wasser geschwitzt, ich fuhr durch die Hölle und hab alle Heiligen angerufen. Dass die Ente nach dieser Tortur noch vollständig ist, grenzt an ein Wunder. Und alles wegen Aizkraukle!

Und jetzt zum Teufel , was, wo und warum ist Aizkraukle? 

Es ist eine kleine Stadt, aber auch ein Gebiet. Es liegt ca.100 km südöstlich von Riga, an der Düna. Aizkraukle heisst auf deutsch Ascheraden! Und eine bekannte Familie in St . Blasien hat dort ihre Wurzeln . 

In Aizkraukle suchte ich das Rathaus auf, wo man mir sofort Augen und Ohren widmete. Man telefonierte wie wild, um Historiker und Ahnenforscher zu informieren. Im Heimatmuseum gab man mir schliesslich noch Wissenswertes mit auf den Weg und wünschte mir für meine Weiterreise alles Gute.

Links das Rathaus von Aizkraukle, Rechts: die Forscherin  Lilija Jakubenoka (li) und die Direktorin des Heimatmuseums Dzintra Cepure.

Also, lieber Christoph,  da hab ich aber was gut bei Dir!

Und an dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mir geschrieben haben, herzlichen Dank für die Begleitung und die guten Wünsche .

Und jetzt also Riga , wo ich zwei Tage bleiben werde. Eine Stadt mit wunderbaren Gebäuden , Parkanlagen und Sehenswürdigkeiten. Die Fahrt hierher war der reinste Genuss,  lange Strecken eben an der Düna entlang. 

Das lettische Parlamentsgebäude 

Links der Dom und rechts die Oper 

Auch hier blüht schon was, Rhododendron, rechts das Freiheitsdenkmal

Die russische Botschaft                                    die finnische Botschaft 

 

Keine Botschaft, aber schön, dann die spanische Botschaft , und alle diese schönen Gebäude stehen, ja wo denn sonst: in der Elizabetes iela! (Elisabethstrasse )

 

Die österreichische Botschaft , daneben wieder keine, nur schön.

Morgen soll das Wetter wieder sehr schön werden, mit viel Sonne! 

Tag 8 - Schloss Rundale

Mittwoch, 27.04.2016

Bei wieder strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel fuhr ich aus Kaunas weg, und bei strahlendem Sonnenschein schreibe ich draussen vor dem Hotel den Blog . Die Schlossuhr hat gerade halb sechs geschlagen. Wir haben eine Stunde später als daheim.

 

Gestern Abend war der Himmel über Kaunas " eiskalt" und der Wind pfiff kalt durch die Strassen .

Es musste ja mal so kommen: in Rundale hatte ich auch keinen Ansprechpartner und fand auch keinen! War aber gar nicht tragisch. Ich war nicht sicher, ob man hier das Porträt der Olga Shuvalova hat, oder ob es sich in der Eremitage befindet. Und so ist es auch! Hier hat man tatsächlich ein Foto davon aufgehängt.

Schaut mal, wie man unseren Franz Xaver hier schreibt!

Das Personal war sehr unfreundlich. Vielleicht, weil alle wegen Filmaufnahmen des lettischen Fernsehens total genervt und im Stress waren.

Allein des Schlosses wegen hat sich der Besuch hier aber gelohnt. Man redet vom Versailles des Ostens!

 

Und nun gibt es heute also "nur" Schloss Ansichten, die für sich sprechen. Die Blütenpracht im Barockgarten lässt sich leider nur ahnen.

Morgen geht es weiter nach Riga, wo ich auch nur zum Spass bin, ohne Winterhalterspur zu verfolgen.

 

Tag 7 - Warschau und Weiterfahrt

Dienstag, 26.04.2016

Bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel  ging meine Fahrt erstmal nach Warschau hinein, und an dieser Stelle kann ich sagen, dass "Stani" seine gestrige Beförderung voll und ganz verdient hat! Wie er mich zum Königspalast und von dort zum Nationalmuseum und danach wieder aus Warschau "heraus geschaukelt " hat, war eine Bombenleistung und dieser Ehren wert!

Weder vom Königspalast noch vom Nationalmuseum hatte ich Antwort auf meine Mails erhalten. So hatte ich auch keine Ansprechpartner und keine Termine. 

Ich versuchte mein Glück im Königspalast an der Information . Nach meinen Erklärungen, woher ich komme und was mein Anliegen ist,  setzte man alles in Bewegung , um einen adäquaten Ansprechpartner für mich zu finden, und man entschuldigte mehrmals, dass auf meine Mails nicht geantwortet wurde. DIe Kuratorin Beata Kruk kam eilenden Schrittes, um mich in perfektem Deutsch zu empfangen, tausendmal entschuldigend, dass man nicht geantwortet hat, und noch mehr entschuldigend, dass sie mir weder das eine noch das andere Porträt zeigen könne, die normalerweise hier zu sehen seien. Das eine der Eliza Krasinska, geb. Branicka  im  vielleicht Hochzeitsgewand , von 1857 , war in Freiburg und ist jetzt in Houston. Das andere Gemälde, das ebenfalls Eliza zeigt, ist in derart schlechtem Zustand, dass es aus der Ausstellung genommen wurde und zur Restauration musste.

Also keine Fotos , Frau Kruk wird mir pdfs schicken. Jedenfalls ist es für mich jedes mal schön zu sehen, wie Winterhalter bekannt ist und geschätzt wird, und wie sie meiner Schilderung seiner Biographie gespannt zuhören und erstaunt sind! 

Frau Kruk  mit dem Chefkonservator. Daneben der Königspalast Warschau .

Darunter ein wahrhaft kaiserliches Bett!

 

Und dann also Dank "Schtani" weiter zum Nationalmuseum! Dort wartete ja ebenfalls niemand auf mich, da keine Antwort auf meine Mails. Aber auch dort konnte ich mit Hilfe der Bediensteten eine Kuratorin gewinnen,  Irina Danielewicz, die sich entschuldigte, dass die Mails nicht beantwortet wurden, und die mir mitteilte, dass zwar ein Porträt , das von Elzbieta Krasinska im oval von 1853 an ein anderes Museum ausgeliehen wurde ( nicht Houston!), die mich aber zum anderen Porträt der Sammlung führte. Und welch ein Genuss, dieses Bild zu sehen:

Frau Danielewicz, Kuratorin im Nationalmuseum Warschau.

Countess Katarzyna Potocka , geb. Branicka,1854, in türkischer Kleidung.

 

Ihr könnt mir schon glauben, dass es mich sehr berührt, wenn ich vor den Originalen stehe. Kopien der Bilder habe ich von vielen schon gesehen, auch Kopien von Winterhalter oder seiner Werkstatt . Aber ein Original, das hat er sich entworfen, hat er sich ausgedacht, in Farben , Stil , Komposition , Lichtverhältnissen, Ausdruck , alles eben, alles von ihm! Wer es kopiert, muss schon auch sehr viel vom Metier verstehen,  vor allem auch technisch ein Meister sein, aber er malt ab und muss nicht selbst sich die gesamten Gedanken machen!

Hier z.B. hätte Winterhalter auch noch was retten können, du lieber Himmel! 

Nach diesen erfreulichen Begegnungen, die ich nicht erwartet habe und auch nicht erwarten konnte, ging es raus aus Warschau.  

Anfangs Autobahn, dann Landstraße, dann wieder Schnellstrasse. Jedenfalls kam von Schtani plötzlich die Meldung , ich solle umgehend wenden, ich befände mich auf einem Feldweg ! Diese Meldung kam ca. 30 Mal in einer halben Stunde,  wo ich mich auf einer mit EU- Geldern frisch gebauten Schnellstraße befand! Mann, Schtani, hast das wieder nicht mitgekriegt?

Am Abend kam ich in Kaunas in Litauen an, wo ich in einem wunderbaren Zimmer logiere! Und morgen fahre ich Richtung Rundale, ohne Termin , also ausschlafen!

Tag 6 - Kozlowka und Wilanow

Montag, 25.04.2016

Heute Morgen mit etwas Verspätung bin ich im Schloss Zamoyskich in Kozlowka eingetroffen, wo mich die Kuratorin Frau Magdalena Pilsak sehr freundlich mit Kaffee und Teilchen erwartete. Da ich gut gefrühstückt habe war das fast schon zu viel.

Sie führte mich in gutem Deutsch durch das gesamte Schloss, das Winterhalter würdig ist!

Die jüngere Geschichte des Schlosses ist nahezu identisch mit der des Schlosses Lancut (das man übrigens Wansut spricht, also sich doch fast wie Waldshut anhört), hier kam der Schlossherr Aleksander jedoch erst nach Auschwitz und dann nach Dachau.  Er überlebte. Seine Frau Jadwiga war die letzte Zamoyskich in Kozlowka. Sie ging 1944 erst nach Warschau und dann nach Kanada .Kozlowka  war das erste Schloss in Polen, das zum Museum umfunktioniert wurde, weil noch viel im alten Zustand vorhanden war, so sehr viele Gemälde , an die 60 prunkvolle Kachelöfen (die Kacheln Unikate, u.a. von Meissen, mit Initialen und Wappen der Zamoyskichs, wo die Formen nach Herstellung zerstört wurden), allerhand einzigartiger Möbel etc.

 

So kamen wir also zu insgesamt 6 Ölgemälden und 1 Aquarell von Winterhalter oder zumindest aus dessen Werkstatt !

 

 Bild 1: Aniela Potocki,  Ehefrau von Konstanty Graf Zamoyski,

 Bild 2: Cecilia geb. Zamoyski, spätere Lubomirska, dieses Gemälde hing auch in Breslau.

 Bild 3: Kinder von Zygmunt und Eliza Krasinski,  Elisabeth,  Marja, Wladyslaw und Zygmunt 

 

Bevor wir uns aufs Herzlichste verabschiedeten, durfte ich noch einen Blick in die noch nicht fertige Ausstellung werfen, die am 1. Mai eröffnet wird: Kindererziehung beim Adel. So viele  besondere Spiele und auch Lernutensilien hat man zusammen getragen. Dort traf ich auch die Direktorin des Museums .

 

Nun ging es weiter Richtung Warschau.  Und an dieser Stelle hat Fuzzy Karl eine Beförderung verdient. Er weiß ja meist Bescheid, und wenn nicht meint er es ja wenigstens gut mit mir, deshalb also ab heute FA, Flügeladjudant , und weil wir hier im Osten sind Stanislaw, kurz Stani.

 

Also mit Stani nicht zurück nach Lublin,  sondern ca.30 km von Dorf zu Dorf, Altglashütten sag ich da nur!

Und was sich an Tieren hier so tummelt: Fasane fliegen über die Strassen, Störche sitzen eher auf ihren Nestern und die Hühner queren die Straße völlig angstfrei!

Nach 30 km kam ich auf die "Hauptstraße " nach Warschau . Wilanow , wo ich heute übernachte ist ein Vorort von Warschau und alles andere als schön. Das einzig Schöne hier ist das Schloss , das sicher zu Winterhalters Zeiten das einzige Anwesen weit und breit war.

Mittlerweile hat man die freie Fläche voll bebaut, und das halt echt nicht schön. Also kann ich mir den heutigen Abendspaziergang in der Altstadt sparen, es gibt keine!

Erst ins Hotel, Ente steht sicher!, dann mit dem Bus zum Schloss. Dort führte mich die Kuratorin Frau Walawender-Musz zu den Winterhalter Gemälden, drei insgesamt, weil das 4. , das Gemälde von Elzbieta Krasinska mit ihren drei Kindern, in Freiburg war und jetzt in Houston gezeigt wird!

 Bild 1: Marja Potocka,  geb. Sanguszkow

 Bild 2: Jadwiga Branicka, geb. Potocki 

 Bild 3: ebenfalls obige Jadwiga 

Auch hier wieder so wunderbare Gemälde, dass ich nur ehrfürchtig davor stehen kann!

Frau W.- M.  fiel es sichtlich schwer mit mir treppauf und treppab zu gehen, sie war hochschwanger. Sie redete lediglich englisch, versprach aber Deutsch zu können , wenn ich das nächste Mal nach Wilanow komme!

Wir verabschiedeten uns also in der Zuversicht uns wiederzusehen. 

Nun fuhr ich mit dem Bus wieder zurück zum Hotel. Und damit Ihr unbesorgt seid, dass ich genug esse hier ein Foto von heute Abend. Ich kann ja kein polnisch, deshalb bestelle ich gerne irgendwas mit kurczak, das ist Hähnchenfleisch . Diesmal Hähnchenbrustroulade. Hat sehr gut geschmeckt!

Dann also bis Morgen,  mal schauen wo ich da bin. Nach dem Nationalmuseum und dem Königspalast in Warschau mach ich mich auf Richtung Lettland. 

Tag 5, Lancut und Lublin

Sonntag, 24.04.2016

Heute Morgen musste ich mich sputen, schließlich hatte ich das Treffen mit Dr.Daniel Reniszewski um 9 Uhr. 

Eine sehr herzliche Begrüßung erwartete mich:"fühlen Sie sich wie zuhause"! Er legte Mantel und Schirm beiseite ( es hat heute Nacht und auch tagsüber geregnet und abgekühlt) und führte mich in ziemlich gutem Deutsch durch die wunderbaren Gemächer des Schlosses, das zuletzt bis 1944 von Alfred III Potocki und seiner Mutter bewohnt wurde. Es hieß , er habe mit den Deutschen kollaboriert. 1944 dann verließ er aus Angst vor den Russen das Anwesen , zog mit 11 Zugwaggons voller schätze aus dem Schloss nach Krakau , dann nach Wien , schliesslich noch Genf , wo er 2 Jahre nach seiner späten Heirat ( er war schon um 70 herum) 1958 starb. Viele der mitgenommenen Dinge musste er verkaufen, um flüssig zu sein. So kam Vieles dann doch auch wieder zurück.

Dann kamen wir in einen Raum , wo drei signierte und datierte Kinderbilder auf dem Tisch lagen. Artur, Roza und Zofia Potocki,  diese konnte ich fotografieren, zwei Gemälde von Katarzyna Potocka sowie deren Ehemann Alfred II und beider Sohn Jozef hingen zu dunkel. Herr Reniszewski versprach jedoch, mir pdfs davon zu besorgen . Die Kinderbilder sind dermaßen schön und anrührend, dass ich mich kaum davon trennen konnte. Da kommt Winterhalters Talent noch deutlicher als ohnehin schon bei anderen Porträts zur vollen Entfaltung !

Drei Stunden Schlossbesichtigung . Damen- und Herrengemächer mit allerlei Kuriositäten, Bibliothek, Kinderstuben, Badezimmer, Spielezimmer, Raucherzimmer, Jagdzimmer und viele weitere. Und Herr Reniszewski erzählte und erzählte, voller Leidenschaft. Zum Schluss gingen wir in sein Büro, um Kaffee zu trinken. 

So langsam sollte ich dann aber auch an die Weiterfahrt denken, schließlich stand mir ja Landstraße bevor, und ich wollte nicht zu spät in Lublin eintreffen.

Nach herzlichem Abschied ging es dañn also nach Lublin.  Und diesmal konnte mir Fuzzy Karl sogar mitteilen, dass ich 10 Minuten aufgeholt habe gegenüber der errechneten Ankunft!

Hier bin ich in einem Hotel ,das wohl früher zum Kloster gehörte. Sehr gut, und auch die Ente auf abgeschlossenem Platz hinter dem Gebäude .

Das Gebäude im Vordergrund ist das Hotel, dahinter das Schloss Lublin. 

 

Das Rathaus, daneben die Kathedrale. 

Plastikblumen aufs Grab wird gern genommen, und auch die Palmen am Palmsonntag sind eher artifiziell !

Morgen fahre ich von hier aus ins nächste Museum, ca.15 Minuten Entfernung . Dann zurück nach Lublin und weiter nach Warschau 

 

Tag 4 - Lancut

Samstag, 23.04.2016

Das Hotel war jetzt nicht der Knaller, aber das Frühstück in einem speziellen Kellerraum sehr gut.

 

Dort unterhielt ich mich mit einer ca. 70- jährigen in Wien lebenden Polin, die soeben ihren Mann in seinem Heimatdorf zu Grabe getragen hat. Sie meinte, auf den Schrecken müsse sie sich etwas Gutes tun und fuhr nach Krakau, wo es sich schon aushalten lässt:)

Heute Morgen auf der Autobahn  wurde ich von einem Auto aus New York überholt, das Lichthupe gab und die "Besatzung " winkte ganz freundlich. Wegen der Ente oder dem zur Abwechslung mal nichtpolnischen Kennzeichen ?

Ich fuhr also auf der Autobahn. Und plötzlich war diese dann gesperrt, ich musste runter.  Das Navi leitete mich dann Richtung blablabla , wieder auf die Autobahn , die Fortsetzung dachte ich. Doch nach 17 km war ich wieder an der genau gleichen Stelle , ab welcher die Autobahn gesperrt war und ich runter musste. Fuzzy Karl leitete mich wieder wie vorhin. Ich aber bin ja auch nicht doof und fuhr eine andere Abzweigung ab als beim letzten Mal . Nach geschätzten 15 km war ich dann aber wieder an beschriebener Ausfahrt wegen Sperrung!

Dieses Spielchen spielte Fuzzy Karl 3x mit mir, dann fuhr ich ganz ab in ein Dorf . Ein hilfsbereiter Motorradfahrer am Straßenrand ( Raucherpause) beschrieb mir dann den Weg per Landstraße, welche mich direkt nach Lancut brachte, ein Glück!

Fuzzy Karl hat mich gewarnt: alle Daten in Osteuropa und Russland beruhen auf historischen Fakten. Alternativen kennt er nicht. Das kann ja noch heiter werden!

Jetzt aber also in dem beschaulichen Städtchen  Lancut  angekommen. 

Und hier wohne ich wahrhaft kaiserlich!

Aus dem Zimmer die Ente im Blick. Ausserdem logiert hier auch irgendeine Basketball - Liga - Crew aus Warschau. 

Das Treffen mit dem Kurator habe ich erst morgen. Winterhalter ist hier ganz würdig untergebracht! Schloss Lancut ist ein grosser herrschaftlicher Besitz mit Orangerie , Orchideenhaus , Stall und Wagenremise uvm. Sehr gepflegt mit vielen Blumen . Die Japanische Kirsche blüht auch gerade.

Ich bin jetzt also sehr gespannt auf morgen und natürlich Winterhalter.

Und auf meine Weiterreise! Wohl jetzt erstmal Landstraße , die schönen Autobahnen gehören der Vergangenheit an. Aber wer ab und zu durch Altglashütten fährt, den erschüttert so schnell nix!

Tag 3 - Krakau

Freitag, 22.04.2016

Nach guter Nacht und gutem Frühstück wurde die Ente wieder beladen, die über die Nacht hinter dem Haus auf abgeschlossenem Gelände stand.

Also auf nach Krakau!

In den altehrwürdigen Mauern der Jagiellonen Universität ist das Museum untergebracht, wo sich das erwartete Gemälde von winterhalter befindet. Leider war meine Mail - Kontaktperson schon im Wochenende. Aber eine Mitarbeiterin wusste von meinem Besuch und führte mich direkt zur Countess Genowefa Drucka- Lubecka, verheiratete Puslowska. Das Porträt ist signiert und datiert mit: Paris 1868.

Die Countess starb aber bereits 1867, im Katalog des Museums wird davon geredet, dass Winterhalter dieses Porträt nach einer Daguerrotypie ein Jahr nach dem Tod der mit 46 Jahren verstorbenen Countess in Paris gemalt hat.

.

 

Und heute Abend noch ein kurzer Rundgang in der Altstadt  von Krakau. Die Menschen sitzen zu Tausenden in den strassencafes und geniessen Sonne und Wochenende .

Eine historische Markthalle,  jeder Bogen ein Geschäft .

Ja, sehr schön. Aber morgen geht es ja weiter, also bald wieder schlafen. Heute bin ich in einem Hotel ,aber die Juhe gestern war besser. Immerhin steht die Ente wieder auf einem abgeschlossenen Platz, 5 Minuten vom Hotel. 

Ich geniesse im  Übrigen die Ruhe beim Fahren. Ich hab die letzten Wochen im Museum in Menzenschwand und im Augustinermuseum so viel gebabbelt, dass ich grad froh bin, lange Zeiten nichts zu reden.  Ausserdem meldet sich ja in regelmässigen Abständen der Fuzzy vom Navi, um mir zu sagen, dass sich die errechnete Ankunftszeit wieder  um 15 Minuten verzögert! Ich bin also nicht allein, Karl oder Egon oder wie er auch heisst, ist ja auch noch da!

So, dann also morgen weiter im Plan.

 

 

 

 

 

Tag 2 - Breslau

Donnerstag, 21.04.2016

Nachdem ich lange und tief geschlafen habe (kein Wunder, nach der Strapaze), ging es heute morgen nach gutem Frühstück zur Ente . Sie hatte auch eine ruhige Nacht, meine Bedenken waren also unbegründet.

Ganz gemütlich tuckerten wir zwei dahin nach Breslau . Dort fuhr ich direkt zum Museum Naradowe, wo mich Frau Dr. Beate Lehman erwartete und mir eine deutschsprachige Führung machte. Vorbei an den Grossen italienischen und holländischen Meistern zu: UNSEREM WINTERHALTER!

Es handelt sich um das Porträt der Fürstin Cecylia Lubomirska,  die eine sehr intelligente Person war und grossen Einfluss in ihrer Familie hatte.

Ein signiertes und datiertes Porträt  in weichem und lockerem Stil gemalt. Wunderschön!

Auf dem Foto seht Ihr beide, Gräfin Lubomirska von Winterhalter und Frau Dr. Lehman.

Und direkt neben Winterhalter hängt ein Hans Thoma . Man wusste wenig bis nix über Winterhalter und von Thoma noch weniger. Ich habe der Frau Dr dann meinerseits praktisch eine Führung durch das Leben Winterhalters gegeben.

Und heute bin ich in einem evangelischen Haus, das zu den Jugendherbergen gehört. Wieder DZ zur Einzelnutzung. Platz ohne Ende!

Breslau ist natürlich eine Reise wert und nicht nur ein Tag, aber morgen geht es weiter nach Krakau.

Das Rathaus von Breslau und der Rathausplatz . Außerdem war Blumenmarkt,  die Polen scheinen bevorzugt fertige Sträusse zu verschenken.

 

So, nun also bis vielleicht morgen, je nach WLAN Verfügbarkeit.

Das Wetter war übrigens auch heute sonnig und sommerlich warm.

Das Foto

Mittwoch, 20.04.2016

Der Entstand beim "Abflug" in Menzenschwand,  So schnell ging es auf und davon!

Tag 1 - Görlitz

Mittwoch, 20.04.2016

Heute Morgen um 8 ging es also los, einige Vereinsmitglieder standen parat, um mit einem tränenreichen Abschied für die würdige Stimmung zu sorgen!

Das Wetter war mir hold, und so entschied ich gegen Abend bis Görlitz weiter zu fahren. Also schon ein Riesenstück geschafft. Morgen nach Breslau sind es nur 168 km. Ein Klacks im Vergleich zu heute.

Hier in der Juhe hab ich ein DZ zur Einzelnutzung. Es ist halt noch keine Saison . Görlitz steht wohl komplett unter Denkmalschutz.  Sehr schön, uralt , kopfsteingepflasterte Strassen! Ich hab jeden Moment mit dem Abfallen des Auspuffs gerechnet.

Jetzt steht die Ente allein gelassen an einer Strasse zehn Minuten von hier, Parkplätze im Innenbezirk sind rar. Hoffentlich steht sie morgen auch noch da, und zwar so, wie ich sie abgestellt habe bitteschön!

Morgen also dann aus Breslau ! 

Neuer Sendetermin

Montag, 18.04.2016

 Aus sendetechnischen Gründen wird der SWR 4 Beitrag morgen um 9.10 Uhr gesendet, dafür aber landesweit. Heute wär's nur Süd Baden gewesen.

Sie steht parat und möchte endlich los!

Montag, 18.04.2016

Wenn man uns also hinterher fährt,.......

Heute zw. 16 und 17 uhr

Montag, 18.04.2016

Liebe Winterhalterfreunde!

 

Heute also zwischen 16 und 17 Uhr kommt der Radiobeitrag im SWR 4.

Viel Spaß! 

SWR 4 Beitrag

Freitag, 15.04.2016

Guten Morgen, Liebe Blog Besucher!

 

Gleich kommt eine Dame vom SWR  4, um einen Beitrag über die Reise mit mir zu machen.

 

Sobald ich weiss, wann er ausgestrahlt wird, schreibe ich es. 

 

 

 

 

Jetzt gibt es kein Zurück mehr!

Samstag, 09.04.2016

Nachdem nun auch noch regional in der BZ ein Artikel über meine Reise erschien, ist der "Point of no return" erreicht. Also kein Zurück mehr! Aber das war ohnehin nicht meine Absicht. Im Gegenteil, der Termin rückt näher und ich freue mich mit jedem Tag mehr auf dieses Unternehmen!

Dass ich alleine reise, war von Anfang an meine Absicht. Zwischenzeitlich habe ich auf Drängen meiner Umgebung nach einem Mitreisenden gesucht, ja. Aber wer hat auch schon vier Wochen Zeit, und wiegt zudem noch unter 80 kg?! (die 29 PS sollte man nicht überstrapazieren!). Und jeder ist für solch eine Reise auch nicht geeignet, und nicht jeden würde ich vier Wochen auf engstem Raum ertragen können.

So ist es also, wie von Anfang an gedacht: ich reise allein!

 

Bald geht es los

Mittwoch, 06.04.2016

 

Die seit Monaten geplante Reise mit meiner Ente auf den Spuren der
Winterhalter Gemälde durch Polen, Lettland, Estland nach St. Petersburg
rückt mit Riesenschritten näher!

In zwei Wochen, am 20.04. (Franz Xaver Winterhalters Geburtstag) geht es
los. Und natürlich steigt die Spannung mit jedem Tag.

Werde ich alle Gemälde sehen können, die ich mir vorstelle? Wird die
Ente diese lange Fahrt durchstehen? Habe ich irgendwelche Dinge
vergessen einzupacken? Habe ich irgendwelche Umstände nicht berücksichtigt?
Normalerweise sind meine Reisen immer sehr gut organisiert. Also, falls
mich die Demenz noch nicht beschlichen hat, sollte es alles ganz gut
klappen.